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Wenn wir etwas neues starten, gehen wir natürlich von Erfolg aus. Egal ob es eine neue Business-Idee oder das Training für den ersten Marathon ist.

Trotzdem liegt die Quote der gescheiterten Startups irgendwo bei 80-90%.

Heute schauen wir uns einige der Ursachen an und geben euch Tipps, wie ihr sie umschiffen könnt.

Du zahlst dir selbst kein Gehalt

Ja, auch Elon Musk hat eine Zeit lang nur von Würstchen und Orangen gelebt und erst kürzlich wochenlang unter seinem Schreibtisch der Gigafactory geschlafen. In Krisenzeiten ist so ein Alles-Auf-Eine-Karte-Setzen total OK und kann sehr motivierend sein.

Aber:

Lass es nicht zum Dauerzustand werden.

Denn, langfristig killst du damit unterschwellig deine Motivation mehr erreichen zu wollen. Wenn das Business läuft, du dir aber Gedanken machen musst, wie du deine Miete zahlst (auch wenn du gar nicht mehr zu Hause schläfst) wird sich das eher früher als später auf deine Performance auswirken.

Fehlender Fokus

Meetings machen, die Webseite überarbeiten, Social Media Kanäle aufbauen bevor ein Produkt da ist, Berater und Mentoren suchen… All diese Dinge sind schön und gut aber:

Sie bringen euch weder eurem Produkt noch eurem Kunden näher.

Fragt euch bei jeder Tätigkeit:

  • Wie macht das unser Produkt besser?
  • Was hat unser Kunde davon?
  • Ist es für unser Überleben notwendig?

Wenn ihr nicht mindestens eine dieser Fragen positiv beantworten könnt, lasst die Aufgabe erst einmal liegen und kümmert euch um alles, was eine der 3 Dimensionen dort oben weiter bringt.

Zu krasse Ziele

Mag sein, dass euer Marktpotenzial im zweistelligen Milliarden Dollar Bereich liegt.

Heißt das gleichzeitig, euer Ziel, das ihr auf Pitches, bei Investoren und neuen Team-Mitgliedern erzählt sollte auch lauten: „Wir wollen XX Milliarden Euro Gewinn machen?“

Wenn ihr bereits Erfahrung mit Milliarden-Umsätzen gemacht habt, mag das sogar noch einigermaßen glaubwürdig rüber kommen. Ob ihr solch ein Ziel realistisch vermitteln und erreichen könnt, steht auf einem anderen Blatt.

Realistische Ziele für die ersten 18-24 Monate sind das Zauberwort.

Testet und hinterfragt eure initialen Business-Ziele. Wie leitet ihr sie her? Auf welchen Daten basieren sie und wie könnt ihr sie begründen? Warum genau diese Ziele. Ohne Antworten auf diese Fragen (die sich auch Team, Investoren und Kunden stellen werden) macht ihr euch das Leben unnötig selbst schwer.

Einzelkämpfer-Alarm

Seid ihr bereits ein Team, das sich gut ergänzt oder versuchst du ganz alleine alles zu machen?

Auch wenn du Macher, Marketeer und Maschinist in einem bist: Suche dir Unterstützung und möglichst Menschen, die in ihren Spezialgebieten besser sind als du.

Baue dir ein Team auf, das deine Vision teilt und deine Fähigkeiten ergänzt.

Außerdem macht die Arbeit so deutlich mehr Spaß, du bekommst neue Einblicke und Perspektiven und kannst mehr Menschen erreichen.

Zu früh releasen

„Ship early, ship often“ ist eines der Startup-Mantras. Und es ist auch gut und richtig.

Aber es meint auch:

Shippen, wenn das MVP oder das neue Feature wirklich funktioniert. Macht nicht den Fehler und verärgert eure Kunden mit frühen Releases, die nicht taugen, verwirren oder im schlimmsten Fall Fehler produzieren, die den Kunden Zeit oder Geld kosten.

Nicht auf die ersten Kunden hören

„Hätte ich auf die Kunden gehört, hätte ich schnellere Pferde bauen sollen“ soll Henry Ford über die Kundennachfrage nach Autos gesagt haben. Letzten Endes hat er aber eine bessere Lösung zum Problem gebaut, das bisher Pferde gelöst hatten.

Transport und Mobilität.

Sein Produkt war größer. Und pflegeleichter. Und günstiger und schneller zu bauen als andere Autos.

Hört genau hin, welches Problem eure Kunden mit eurem Produkt lösen. Unabhängig von ihrer Branche.

Sales? Kundenfreundlichkeit? Schnellere Auftragsabwicklung? Besserer Service?

Überlegt, was sich davon auf andere Branchen übertragen lässt und macht so den nächsten Schritt in Richtung Skalierung.

Kein Bedarf am Markt

Einer der Gründe, die man am häufigsten hört, weil:

Die Gründer ein Produkt zum Selbstzweck gebaut haben. Weil sie es bauen wollten.

Ohne Research, ob da draußen überhaupt Kunden sind, die das Produkt wollen und bereit sind dafür zu zahlen.

Klar, AirBnB, Twitter, YouTube sind auch so entstanden.

Aber:

Das Team hat die Produkte in erster Linie für sich selbst gebaut. Entweder, um am damaligen Hauptprojekt effektiver arbeiten zu können oder aus eigenem Bedarf. Wenn man sein eigener Kunde ist und sich bestenfalls sogar selbst aus dem Budget eines anderen Unternehmens zahlt, kann man sich erlauben, ein eigenes Produkt zu entwickeln.

Wenn nicht, sollte man auf seine Kunden und was sie wirklich (bezahlen) wollen hören.

Schlecht oder zu wenig kommunizieren

Besonders auf die Kommunikation mit den etwas schwierigeren Team-Mitgliedern kommt es an!

Wegignorieren hilft nicht, wenn jemand in eine andere Richtung will als das Team, die Vision nicht nachvollziehen kann oder die Stimmung vergiftet.

Konstruktive Kritik ist völlig OK und bringt euch weiter. Aber manche Menschen gehen mit zu wenig Informationen und zu wenig Kommunikation so um, dass sie selber überkompensieren und zu viel reden. Und vor allem Dinge erzählen, die mehr schaden als nutzen.

Da hilft nur agieren statt reagieren. Immer einen Schritt Vorsprung haben und besonders mit den schwierigen Personen besonder viel und oft kommunizieren, statt ihnen aus dem Weg zu gehen.

Zu früh zu groß skalieren

Auch wenn es ein Luxus-Problem ist: Es scheint einer der schwerwiegendsten Gründe zu sein, warum Startups nach einer erfolgreichen Pre-Phase dann doch untergehen.

Neue Kunden zu gewinnen und Bestandskunden zu halten ist teurer, als der Umsatz, den die Kunden einbringen.

Ist das Problem, das euer Produkt löst auf der Marktseite wirklich groß genug, um genug (zahlende!) Kunden für Wachstum anzuziehen?

Kann euer Startup wachsen und dabei die Customer Retention- und Acquisition-Costs weiter senken und somit immer profitabler werden?

Wenn dieser Punkt erreicht ist, könnt ihr gesund skalieren, denn für jeden Euro, den ihr in neue Kunden steckt, kommen mehrere Euros zurück in eure GuV.

Diskutiert hinter den Kulissen oder auf Facebook mit! Welche Ursachen haben Euer Startup scheitern lassen oder nahe an den Rand des Scheiterns gebracht? Wie habt ihr das Ruder rumgerissen oder was habt ihr daraus gelernt?

Artikelbild Steve Halama on Unsplash