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Entwickler haben ihre Frameworks. Texter haben Vorlagen. Content Creators nutzen die Heroes Journey fürs Storytelling. Gibt es eigentlich einen Werkzeugkasten oder Design-Prozess, mit dem sich ein Produkt entwickeln lässt?

Produkt = Problemlösung

Die Schwierigkeit für Startups ist oft, dass viel Arbeit in die Entwicklung eines Produkts investiert wird, von dem die Founder noch nicht gut genug wissen, ob der Kunde es haben will. Was wiederum meist daran liegt, das niemand geprüft hat: Löst das Produkt ein Problem, für das der Kunde bereit ist zu bezahlen?

Startupalltag als Design-Prozess der Problemlösung

Anstatt sich geradewegs auf die Entwicklung eines Produkts zu stürzen, von dem niemand weiß, ob es die Anforderungen der Kunden erfüllt, macht es Sinn einen Arbeits-Prozess zu etablieren, der diese Kernfragen immer und immer wieder beleuchtet und validiert.

Einen solchen Prozess hat Bojan Tasevski kürzlich dokumentiert, den wir euch hier kurz vorstellen und den ihr euch für euer daily Business einmal genauer anschauen könnt. In dem Text geht es zwar konkret um UX-Design von Websites, der dargestellte UX Design-Prozess für Startups lässt sich aber prima auf die Entwicklung digitaler und in vielen Teilen auch von Services und physischer Produkte übertragen.

In 3 Phasen zur iterativen Arbeit

Möglichst schnell einen gut funktionierenden Prototypen mit echten Kunden zu testen ist das Ziel des Prozesses. Dazu hat Bojan ihn in 3 Phasen unterteilt:

  1. Recherche und Strategie
  2. User Experience Design
  3. User Interface Design

In Phase 1 wird das Produkt geplant, so ihr nicht nur ein gutes Produkt baut, sondern das richtige Produkt. Durch die Entwicklung von Kundern-Personas, Wettbewerbsanalyse und Experteninterviews wird die Grundlage entwickelt, auf der die Strategie gebaut werden kann.

Die Strategie beinhaltet alle relevanten Entscheidungen zu Zielen, Hürden und Lösungsansätzen mit denen ihr die Ziele erreicht und die Hürden aus dem Weg räumt.

Mit der Journey Map entwickelt ihr, wie die Kunden auf euch aufmerksam werden, auf welche Weise sie dann mehr über euer Produkt erfahren, wie sie euer Produkt ausprobieren und benutzen können uns schlussendlich wie das Ziel für den Kunden, die Conversion oder der Kauf aussieht.

Nun könnt ihr die Features und Funktionen ableiten, die euer Prototyp in den ersten Schritten braucht um eure kurzfristigen Ziele zu erreichen und welche zu einem späteren Zeitpunkt hinzugefügt werden, um mittel- und langfristig ein vollständiges Produkt zu bauen.

Näher an das Produkt heranzoomen

Phase 2 des Design-Prozess geht aus der strategischen Vogelperspektive schon viel näher an das Produkt heran. Hier findet ihr heraus, wie eure Kunden das Produkt aktiv benutzen können.

Mit dem User Flow visualisiert ihr auf Basis von spezifischen Tasks aus der Journey Map, auf welchen Wegen sich die verschiedenen Nutzer-Personas durch das Produkt bewegen. Aus einzelnen Schritten der Tasks können schon Screens inklusive der benötigten Bedienelemente entstehen.

Die Wireframes entstehen im Anschluss aus den Insights, die euch die User Flows liefern. Ihr habt nun ein genaueres Bild davon, welche Elemente an welchen Stellen in die einzelnen Bestandteile eures Produkts skizziert werden können, wie die einzelnen Bestandteile verbunden werden und könnt begründen warum. Nun habt ihr eine Grundlage auf deren Basis ihr einzelne Elemente priorisieren könnt.

Mit solider Grundlage ein anfassbares Produkt entwickeln

Aus den nun vorliegenden Informationen könnt ihr einen Prototypen bauen, der sehr nah am späteren Produkt gestaltet ist. Mit Hilfe von Tools wie Adobe DX, Sketch oder Balsamiq Mockups könnt ihr bereits als ein klickbares Nutzerelebnis erstellen, das eure Alpha-Tester ausprobieren und Feedback geben können. Finden sie sich sofort zurecht? Ist die Nutzerführung schlüssig und verständlich?

An diesem Punkt lassen sich Verbesserungen noch sehr viel einfacher und günstiger ändern, als in einem gecodeten Produkt.

Mit Hilfe des ersten Feedbacks und Moodboards visualisiert ihr die Ausrichtung des Endprodukts. Dann übertragt ihr die bisher validierten Ideen und Funktionen in ein Design und testet es dann mit 5 Usern. Warum 5? Weil bereits 5 Nutzer 85% der Usability-Probleme offenbaren.

Dazu animiert ihr die Test-User mit offenen Fragen, damit sie euch möglichst viel über ihre Nutzer-Erfahrung erzählen. Qualitatives Feedback ist an dieser Stelle sehr wichtig!

  • Erzähl doch mal, was Du hierüber denkst.
  • Was könnte passieren, wenn Du hier klickst?
  • Welche Elemente gefallen Dir und welche gefallen Dir nicht?

Nach jeder Iteration dieses Design-Prozesses kommt ihr näher an euer Produkt heran. So könnt ihr euren Entwicklern unnötige Arbeit ersparen und euch auf die Funktionen und Elemente konzentrieren, die dem Kunden wirklich helfen.

 

Artikelbild:  NEW DATA SERVICES on Unsplash