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Zugegeben: Storymachine klingt ein bisschen wie ein Kampfname oder ein Superheld aus dem Marvelversum, aber:

Kai Diekmann hat bereits in seiner Zeit als Chef der BILD-Zeitung eine Story-Maschine betrieben. Sein Jahr, in dem er im Silicon Valley gelebt hat, dürfte auch ein Grund für ihn gewesen sein, seine eigene Storymachine zu bauen und als Company zu gründen.

Wir haben euch hier einige der Insights zusammen gestellt, die Kai auf der Hinterland of Things Stage geteilt hat:

In Deutschland geht es uns noch zu gut

Eine der Kernfragen der Hinterland war ja: Wie können sich Deutschland im Speziellen und Europa im Allgemeinen in der Digitalisierung positionieren, ohne von den USA und China überrannt zu werden?

Kai stellte eine These in den Raum, an der sehr viel dran ist:

„Wie sind in Deutschland nicht in der Situation, in der man darüber nachdenkt: Was muss ich tun, um morgen noch innovativ und da zu sein?

Hier zog er den Vergleich mit Israel, dass neben innovativer Kultur und starker Migration auch den Antrieb hat, sich in einer ständigen Konfliktsituation zu befinden.

Eine Lösungsstrategie für dieses Problem lieferte Kai gleich mit:

„Ich muss mich selber kannibalisieren.“

Er begründete dies mit seiner eigenen Erfahrung aus der Zeit bei Axel Springer, denn:

Als man sich dort entschloss, die BILD und andere Business Models zu digitalisieren, lief das Geschäft mit Nachrichten auf Papier noch richtig gut. Auch deswegen haben viele in der Medienbranche nicht aus den Problemen der Musikindustrie gelernt und die Veränderungen lange Zeit verschlafen.

Statt „What would Google do?“ hat man sich gefragt: „Was würde Axel Springer machen?“ und kam zu dem Schluss: Wir müssen dorthin gehen, wo die Trends entstehen und verstehen, wie die Innovationen entwickelt werden, um einen Schritt voraus zu sein.

Aus der Chefetage in die Founder-WG

Normalerweise hätten sich die Springer-Journalisten für die Recherche-Arbeit eher in ein Hotel einquartiert.

Für 1 Jahr im Silicon Valley ohne konkreten Auftrag ging es aber viel mehr darum, zu erleben als zu recherchieren. Also mietete man sich ein Haus und gründete kurzerhand mit Mitte 40 nochmal eine WG.

Ein Vorteil zum Hotel: Echte Nachbarn!

Nachbarn, die rüber kommen und sagen: „Hi! Ich bin auch Founder und mache morgen einen Brunch. Kommt doch mal rüber.“

That’s what networking is all about.

Embedded Student als Netzwerk-Multiplikator

Auf diesem Founders-Brunch lernte Kai einen Stanford-Freshman aus Heidelberg kennen, der ab diesem Moment einen einzigen Auftrag hatte:

Jeden Montag um 18 Uhr, die spannendsten Kommilitonen ins HQ-Haus zu holen. Aus manchem Meetup und Party sind so nicht nur spannende Connections und Projekte entstanden, sondern auch einige neue Leute zu Axel Springer gekommen.

Networking ist eine aktive Tätigkeit und braucht ein Ziel!

Sich im Valley ans Telefon zu setzen und Unternehmen ab zu telefonieren, die nur mit „Ihr seid von Axel-was-für-einer-Company?“ antworten, hätte nicht den Bruchteil der Kontakte gebracht.

The Old Ways work better sometimes

Eine Sache war für Kai sehr bemerkenswert: Für die Millenial-Assistentin, die bei der Orga des Daily Business unterstützte, war es bereits völlig in Fleisch und Blut übergegangen, z.B. Restaurant-Reservierungen digital über Open Table durch zu führen.

Sie konnte mit dem Gedanken nichts anfangen, im Restaurant anzurufen und noch einmal nachzufragen, ob nicht doch ein Tisch für die Crazy Germans möglich wäre. Wenn die App sagt „Geht nicht. Alles voll.“ Dann wurde das erstmal akzeptiert.

Die Old-School Kultur des direkten Weges und menschlichen Kontakts könnte also ein echter Vorteil sein, je stärker die Welt sich digitalisiert.

Das echte Valley-Mindset

Ein wunderbares Beispiel dafür, wie disruptives Denken funktioniert, illustrierte Kai am Beispiel der Google Founder Larry und Sergey. In einer Pressekonferenz zum selbstfahrenden Auto wurde gefragt:

„Wer ist denn im Falle eines Unfalls schuld?“

Der Gouvenor of California, ganz Politiker, erklärte die Situation und schloss dann damit, dass für alle Eventualitäten eine Lösung gefunden werde.

Larry Page Antwort war: „Wenn unsere Autos auf den Straßen sind, wird es keine Unfälle mehr geben.“

Und Sergey setze noch nach: „Dann wird es auch keine roten Ampeln oder Verkehrszeichen mehr geben.“

Keine kleinteiligen Lösungen finden, sondern das komplette Problem umgehen oder aus der Welt schaffen.

Ein anderes Beispiel nannte Kai aus der afrikanischen Medien-Industrie, in der faszinierende Digital Entities entstehen, die die gesamte Desktop-Entwicklung übersprungen haben und direkt auf mobile Publishing gesetzt haben.

Sollten alle CEOs mal ins Valley?

Auch wenn reisen immer bildet, wird eine einwöchige Tourismus-Tour durchs Valley nicht viel bringen, wenn man gerade mal durch die Showrooms mit programmierenden Werksstudenten geführt wird.

Eine wertvolle Reise ins Valley sollte mit folgenden Zielsetzung unternommen werden:

  • Echte Begegnungen machen und Netzwerk aufbauen
  • Das Mindset erleben und mit nach Hause transportieren
  • Mitarbeiter mitnehmen, die ein konkretes Projekt umsetzen sollen
  • Mit offenen Augen sehen, wie im Valley täglich unser Alltag verändert wird
  • Möglichkeiten für eine dauerhafte Präsenz suchen

Wie passt das Mindset nach Europa?

Für das Valley ist Europa nicht nur weit weg, sondern oft auch ein Buch mit 7 Siegeln, 18 Hauptstädten und noch mehr Sprachen.

Hier braucht es vermutlich immer noch kulturelle Übersetzer und Entrepreneure, die ihre Märkte und Nischen kennen und den Tech-Companies Zugang mit möglichst wenig Reibungsverlusten verschaffen.

Und hierhin liegen auch Business Opportunities, wie Kai sie selbst für sich erkannt hat:

Warum hat Kai selber noch einmal gegründet?

Fast 2 Jahrzehnte war er Dirigent eines Orchesters und dann entscheidet er sich bewusst dazu, plötzlich mit 2 Blockflöten da zu stehen.

Aber:

Er ist von der Idee überzeugt, dieses digitale Übersetzen und Storytelling als erfolgreiches Business Model zu etablieren. Und natürlich damit auch dem Paradigmenwechsel in der Kommunikation immer einen Schritt voraus zu sein.

Sein Beispiel dafür gab er auf höchstmöglicher Ebene:

  • Präsident Roosevelt hat mit dem Radio gearbeitet
  • John F Kennedy mit dem Fernsehen
  • Trump twittert

Daraus ergeben sich die Fragen:

Wie wird man Herr seiner eigenen Botschaften, ohne auf die Gunst und Fragen von Redakteuren und Reportern angewiesen zu sein?

Wo erreicht man mit seiner Botschaft die Menschen heute am effektivsten?

Auf welche verschiedenen Weisen muss man die gleiche Geschichten erzählen, damit sie verschiedene Menschen erreicht?

Diese Fragen für seine Kunden zu beantworten, hat sich Kai zum Business Model gemacht.

BTW: Wie selbstverständlich das Web für die kommenden aufwachsenden Generationen ist, verdeutlichte Kai an Hand einer eigenen Story:

Seine Tochter, 10 Jahre:

„Papaaaaa? Als Du so alt warst wie ich, da gab es doch keine Computer oder?“

„Ja Schatz, das stimmt.“

„Wie seid Ihr denn dann überhaupt ins Internet gekommen?“

Shorties

Manche Aussagen waren kurz und knapp. Trotzdem wollen wir sie euch nicht vorenthalten:

  • Schnelles Internet macht noch keine Innovation. Palo Alto hat auch nicht die allerbeste Infrastruktur.
  • Merkel wurde zu Unrecht belächelt, als sie von Neuland sprach, denn: Digitalisierung ist eine Revolution und nicht einfach eine Technikspielerei.
  • Eine Nachricht ist sofort um die Welt transferiert und erzeugt dort eine unmittelbare Wirkung. In dieser digitalen Welt sind wir gerade erst dabei, die Regeln zu verstehen.
  • EU-Kommissar Oettinger war laut Kai eine der wenigen Gesprächspartner, die Travis Kalanick von Uber massiv beeindruckt haben, da er entgegen der öffentlichen Wahrnehmung das Thema Digitalisierung sehr durchdrungen hatte.
  • Was ich heute an Lektüre über Twitter abbilden kann, ginge nie in der analogen Welt. So viele Zeitungen könnte ich gar nicht scannen, um all die relevanten und qualitativ hochwertigen Artikel zu finden.
  • Für die Kinder von heute ist es eine absurde Vorstellung, von außen bsw. durch ein TV-Programm vorgeschrieben zu bekommen, wann sie welche Medien konsumieren können
  • China macht das Rennen um AI: 1,4 Milliarden Chinesen produzieren Daten wie keine andere Kultur auf der Welt. Es gibt keinen Datenschutz und die Implementierung von AI wird einfach angeordnet.