0   +   8   =  

Wie baut man in seiner Region ein Startup Ecosystem auf? Dieser Frage hatten sich auf der Hinterland of Things einige Experten angenommen:

Wie baut man ein Startup Ecosystem?

2011 wollte Udo Schloemer ein europäisches Silicon Valley schaffen. Dabei wurde ihm schnell klar, dass er ein Henne-Ei-Problem lösen muss:

Womit zieht man die guten Leute in eine Region?

In Berlin gab es bereits eine große Stärke, die die Stadt so attraktiv machte: Wichtig ist nicht das, was zwischen 9 und 17 Uhr passiert, sondern was zwischen 17 und 9 Uhr passiert“. Berlins Clubszene hat ganz wesentlich die Startupszene getrieben und das Ecosystem hat sich fast von alleine entwickelt. Es musste nur mit „Mut und Geld etwas sortiert und organisiert werden“. Bis vor 2 Jahren war Udo noch sicher, alle guten Leute nach Berlin holen zu müssen, um gegen China und USA zu bestehen. Heute weiß er:

„Unsere Stärke in Deutschland ist die Dezentralisierung“

Die Business Models, die es in den USA geschafft haben, sind eher trivial und für den Massenmarkt. Die Engineering DNA in Deutschland wird sich eher komplexeren B2B Geschäftsmodellen annehmen.

Die Stärken von Mittelstand und Startups kombinieren

„Wie müssen dafür sorgen, dass die guten Leute attraktive Gegenden erst gar nicht verlassen müssen“ hatte Doro Bär gleich zu Anfang des Austausches betont. Zudem unterstrich sie auch, wie wichtig es ist, nicht nur in seiner eigenen Ökosystem-Blase zu sitzen, sondern über den Tellerrand hinweg zu schauen. Das bezog sie übrigens nicht nur auf die Berliner Startup Szene.

Damit Deutschland auch eine erfolgreiche Digitalnation wird, dürfen wir uns nicht auf den Erfolgen als Industrienation ausruhen. Dazu gehört für den Mittelstand auch, sich breiter aufzustellen und die Zusammenarbeit mit Startups zu suchen. So kann bsw. eine Marktführerschaft wie bei Automobil-Sensoren, die weltweit zu 50% von deutschen Herstellern kommen, fortgeführt werden. Denn, wenn es eines gibt, das für Machine Learning im Allgemeinen und autonomes Fahren im Speziellen benötigt wird, dann sind das Daten aus Sensoren.

Doch auch ihr als Staatsministerin war klar: Auch wenn sich schlechte Politik im Digitalen langfristig nicht durchsetzen wird, kann sie kurzfristig dennoch ein Hemmschuh für wichtige Innovationen und notwendige Entwicklungen sein.

Was macht Ostwestfalen-Lippe so gut als Startup Ecosystem?

Einen großen Vorteil eines Ökosystems wie OWL nannte Udo Schloemer darin, dass man sich immer wieder über den Weg läuft und etwas neues schaffen kann.

Und ein großes Vorurteil, das auch mit der Hinterland ein Stück weiter ausgeräumt werden konnte ist: Die in OWL sitzen immer nur im Büro, arbeiten und denken nach. Dass hier genauso Party gemacht werden kann, wie in Berlin haben wir unter Beweis gestellt.

Aber vor allem für die Industrie ist das Ökosystem OWL ideal: Hier sind viele starke internationale Unternehmen ansässig, die bsw. im Berliner Umfeld fehlen. Gerade der produktive und innovative Austausch unterhalb dieser Unternehmen ist unglaublich wichtig, denn:
China kopiert längst nicht mehr nur, sondern liefert selbst große Innovationen.

Etwas, das den ostwestfälischen Mittelstand immer mehr auszeichnet ist die Fähigkeit rauszugehen und das Unternehmen zu verlassen. Etwas wie der Pioneers Club, wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen: „Wir sitzen doch nicht mit einem Konkurrenten in einem Raum und schauen uns gegenseitig dabei zu, wie wir an einem Webshop arbeiten. Heute ist das im PC durchaus Alltag“ beschrieb Dörrenberg die digitale Realität im heutigen OWL.

Diese Nähe und das Verständnis, gemeinsam die eigene Region zu stärken ist etwas, das wir uns vom Silicon Valley am einfachsten abschauen können, denn natürlich treffen sich Engineers von Twitter und Facebook abends in einer Bar und tauschen sich über Lösungen und Probleme aus.

Wir brauchen mehr Investoren-Kultur

Und die nicht nur in Ostwestfalen-Lippe, sondern in ganz Deutschland und sogar auf europäischer Ebene. Denn:

Die großartigsten Innovationen und erfolgreichsten Unicorns nutzen uns nichts, wenn spätestens in den C-Rounds mit 3-stelligen Millionentickets nur noch amerikanische und chinesische Investoren die Startups, das Know-how und letzten Endes auch den Ertrag rauskaufen.

Dabei haben sowohl mittelständische Familienunternehmen wie auch deutsche Versorgungsfonds genug Kapital, um in entsprechender Höhe zu investieren.

Wir müssen uns fragen, wie wir dafür sorgen, dass Geld und Know-how in Europa bleiben. Dabei geht es vor allem darum, in Ideen und Menschen zu investieren. Denn selbst, wenn ein Startup failed, steht meist ein tolles Team dahinter, das ein kommendes Projekt super voran treiben kann.

Wie schnell Know-how und Leute angezapft werden können verdeutlichte Udo mit einer Anekdote, als er mit der Schlagzeile „Ich baue das nächste European Silicon Valley“ auf Techcrunch zitiert worden war: Der damalige Google-CEO Eric Schmidt rief ihn persönlich am nächsten Tag an und machte das Angebot: „Ich gebe Dir 1 Million Euro, wenn ich die Leute ausbilden darf.“ Geld im Austausch zum Access zu den Talents.

Und so forderte Udo abschließend die deutschen Familienunternehmen zu der Haltung auf:

Ob wir nun mit 1 Milliarde oder 1 Million auf dem Konto abtreten ist doch egal. lieber 999 Millionen gut in unsere eigenen Business Models, Talente und Zukunft investiert!