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„Hi ich bin Peter. Ich bin Banker.“ Meistens hat Peter mit diesen zwei Sätzen einige Lacher auf seiner Seite. Mindestens aber Verwunderung. Ringelshirt und Mütze statt Anzug und Aktenkoffer? Jepp. Peter Grosskopf ist als waschechter Banker beim Founders Talk am Start gewesen und hat einige spannende Insights in die Startup-Welt im Allgemeinen und die Fin-Tech im Speziellen gegeben. Er ist CoFounder und CTO der solarisBank, die wiederum aus FinLeap heraus gegründet wurde, weil:

Der Company Builder eine Partner-Bank für die eigenen Finanztechnologie-Unternehmen brauchte und am Markt keine adäquaten Optionen fand. Also: Selber gründen. Der Hintergrund ist, dass FinTech Startups oftmals mit Banken kooperieren, da sie sonst individuell eine Bafin-Lizenz beantragen zu müssten.

Vom Agenturgründer zum Company Builder ins Bank-Startup

Peters eigene Karriere ist von einem ähnlich pragmatischen Startup Spirit geprägt: Bereits 2005 fing er mit Ruby on Rails an und entwickelte fast zwangsläufig daraus sein erstes Business, weil der Bedarf nach Menschen, die mit Software Probleme lösen konnten, ständig gewachsen war.

„Seit ich sagen kann, ich arbeite bei einer Bank, sind auch meine Eltern beruhigt.“

Sein Fokus lag schon immer darauf, mit Technologie und agilen Methoden Anwendungen zu gestalten und Software zu entwickeln, die das Kundenbedürfnis erfüllen beziehungsweise das Kundenproblem smart löst.

In seiner Zeit bei den Startup-Schmieden Hitfox und FinLeap unterstützte Peter dann den Aufbau mehrerer Startups. Die Parallelität der einzelnen Tätigkeiten und Aufgaben, die sich jedem Startup in der Frühphase stellen, ermöglichten ihm Erfahrungen darin zu sammeln, auf der Technologieseite verschiedene Products zu ownen und zu entwickeln. (Der Satz ist für mich inhaltlich / logisch nicht schlüssig. Was haben die ähnlichen Frühphasen damit zu tun, dass du Produkte entwickeln konntest?)

Was macht die solarisBank?

Peter erklärte das so: Die solarisBank ist eine digitale Plattformbank, die die traditionelle Wertschöpfungskette von Banken in einzelne Teile zerlegt und diese dann als REST API Schnittstellen für Kunden-Unternehmen zur Verfügung stellt. Sozusagen ein Amazon Web Service für Finanzdienstleistungen – also ein Banking-Infrastruktur-Anbieter in der Cloud. spezialisiert auf Bankdienstleistungen in der Cloud.

Bei dieser Infrastruktur handelt es sich um Finanz-Lösungen für andere Digitalunternehmen sowie Banken und Corporates – aber nicht um ein eigenes Endkunden- oder Investment-Geschäft. Dadurch grenzt sich die solarisBank von anderen Fintech-Banken wie beispielsweise N26 ab. Die von der solarisBank angebotenen Finanz-Lösungen sind beispielsweise diverse Identifizierungsprozess für das Kunden-Onboarding. Darüber hinaus bietet sie verschiedene Konto-Typen an wie beispielsweise Treuhandkonten, eine Factoring-Lösungen oder auch Konsumenten- und Firmenkredite – alles als Whitelabel-Lösung.

Wie sieht die Bankenlandschaft der Zukunft aus?

Hier war Peter sehr deutlich, dass es auch in 100 Jahren noch Unternehmen geben wird, die die typischen Bankaufgaben erfüllen werden:

  • Geld aufbewahren
  • Geld zugänglich machen
  • Währungen wechseln
  • Geld transferieren
  • Investieren
  • Geld verleihen

Jedoch werden nur die Banken diese Dienstleistungen künftig erbringen können, welche die Herausforderungen der Digitalisierung angehen und meistern.

Der Bitcoin ist die Dampfmaschine der Blockchain.

Sebastian von der Foudners Foundation konnte einen Experten wie Peter natürlich nicht von der Bühne lassen, ohne das Thema Kryptowährungen, Blockchain und Bitcoin anzusprechen.

Zum Bitcoin selber sagte Peter, dass er „die Dampfmaschine der Blockchain“ sei. Er hat massive externe Effekte (Stromverbrauch) und ist technisch nur bedingt in der Lage als globales Zahlungsmittel „on-scale“ zu fungieren. Möglicherweise wird er auch bald in den Digitalisierungs-Museen als Startpunkt massiver gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen ausgestellt werden, da er lediglich aber einfach nur die Erfindung war, die alles ins Rollen gebracht hat.

Folgeprodukte können aus dem Bitcoin lernen und besser darin werden, Konsens- und Verteilungs-Verfahren einzusetzen. Dieser Lern- und Evolutionsprozess geht in unserem digitalen Zeitalter natürlich viel schneller, als in der Industrialisierung mit Maschinen aus echtem Stahl und harter körperlicher Arbeit.

Blockchain Technologie betrifft nicht nur Banken

Das revolutionäre Element der Blockchain ist die Dezentralisierung. Hier ist mit dem Bitcoin und anderen Kryptowährungen sehr schnell ein promimenter Anwendungsfall entstanden. Die Technologie betrifft aber viele weitere Industrien und Branchen wie Logistik, soziale Netzwerke, Werbung, Kommunikationsplattformen, Identitäts-Management und vieles mehr.

Mit steigender Sensibilität für Datenschutz kann bei Kunden der Wunsch nach Datenmitnahme von einem System oder auch von einem Unternehmen zum anderen entstehen. Hier können Dezentralisierung und Blockchain-Technologie zu mehr Souveränität beim Kunden führen und ihm ermöglichen, selber über seine Daten zu verfügen.

Ein konkretes Szenario das Peter skizzierte, bestand darin, dass Unternehmen die Daten über Aufmerksamkeits-Ströme der Kunden dezentral und sicher zur Verfügung stellen können und somit Monopole wie die von Amazon, Google oder Facebook attackieren könnten.

Wie setzt die SolarisBank Blockchain ein?

Peter und sein Team konzentrieren sich weniger auf die Möglichkeit, Prozesse zu verschlanken und damit Kosten zu optimieren, wie dies andere Banken tun. Die solarisBank wurde technologisch „auf der grünen Wiese“ entwickelt und hat daher deutlich weniger Legacy-Probleme.

Vielmehr schaut sich die Blockchain Factory, die Peter als Co-Lead führt, an, wie sie Blockchain-Unternehmen mit klassischen API Bankdienstleistungen unterstützen und damit eine Brücke zwischen den beiden Welten bauen kann. Des Weiteren beschäftigt er sich damit, wie Finanzinstrumente wie Währungen und Anlageobjekte digitalisiert, in so genannte Crypto Assets übergeführt und in der dezentralen Welt sicher verwahrt werden können. Hier kommt auch die Stärke der solarisBank zum Tragen. Man sei ein Tech-Unternehmen mit Banklizenz und das sichere Speichern von Crypto Assets sei vor allem eine technische Herausforderung, so Peter.

Abschließend hat Peter noch 3 Tipps für Gründer mit auf den Weg gegeben:

  1. Schafft einen klaren Bezug zwischen dem Problem, das ihr lösen wollt und dem Produkt welches ihr baut. So erzeugt ihr einen positiven Wert und damit auch Zahlungsbereitschaft.
  2. Vernetzt euch mit anderen Gründern, Unternehmen, Entwicklern und sonstigen Interessierten. Ihr zieht damit die richtigen Leute fast automatisch an.
  3. Arbeitet mit Leuten zusammen, denen ihr vertraut und mit denen die Chemie passt. Dann könnt ihr Verantwortung abgeben und die Menschen dadurch wachsen.​​